Open Source Intelligence (OSINT) als Instrument zur Identifikation externer Datenlecks in ungesicherten Infrastrukturen von Drittanbietern

Open Source Intelligence (OSINT) als Instrument zur Identifikation externer Datenlecks in ungesicherten Infrastrukturen von Drittanbietern

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Bereichsleiter IT-Consulting & Solutions

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Kevin Wildenau ist seit über 7 Jahren Experte im Public Cloud Umfeld. In seiner Funktion als Bereichsleiter IT-Consulting & Solutions verantwortet er bei audius unter anderem die Bereiche Cloud Consulting und Security Consulting.

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In der Informationssicherheit fokussieren etablierte Schutzstrategien primär auf die Absicherung der eigenen Infrastruktur. Zielsetzung ist die Aufrechterhaltung der Souveränität über interne Systeme, sei es in On-Premise-Umgebungen oder innerhalb administrierter Cloud-Instanzen. Während das Schwachstellenmanagement und die Implementierung technischer Sicherheitsmaßnahmen stetig voranschreiten, verbleibt ein signifikanter Risikobereich oft unberücksichtigt: Datenbestände, die sich außerhalb der eigenen administrativen Hoheit befinden, z.B. Marketing-Services, Kollaborationslösungen, File-Sharing oder spezialisierte Fachapplikationen. 

Genau hier setzt Open Source Intelligence (OSINT) an. Es ermöglicht Unternehmen, diese externen Datenlecks systematisch aufzuspüren, zu bewerten und in ein ganzheitliches Sicherheitskonzept einzubetten.

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Kontrolle durch Reduktion statt Komplexität
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Ein wirksamer Schutz der eigenen Infrastruktur beruht auf zwei Grundprinzipien: der konsequenten Reduzierung der Angriffsfläche und der Minimierung von Vertrauensstellungen. Jede zusätzliche Schnittstelle, jedes nicht benötigte Benutzerkonto und jedes überflüssige Privileg erhöht das Risiko. Die bloße Anhäufung weiterer Sicherheitslösungen führt häufig zu einer Komplexität, die neue Fehlerquellen eröffnet, anstatt Risiken zu senken. Dieser interne Fokus ist wichtig, greift aber zu kurz. Informationen über Unternehmen, Projekte und Mitarbeitende liegen auch an Orten, auf die die eigene Abteilung für Informationssicherheit keinen direkten Zugriff hat. Während im Marketing seit Jahren Social-Media-Monitoring etabliert ist, um die Reputation zu schützen, fehlt in vielen Security-Organisationen ein vergleichbarer Ansatz für externe Datenexposition. Hier entsteht ein „Blind Spot“: Informationen werden bei Drittanbietenden gespeichert, verarbeitet oder geteilt – von der Agentur über den Cloud-Service bis hin zu privaten Plattformen von Mitarbeitenden. Genau in diesem Umfeld entfaltet OSINT seinen Mehrwert. Damit lässt sich nachvollziehen, welche Daten über das Unternehmen im Internet oder im Dark Net sichtbar sind und ob ungesicherte Infrastrukturen von Drittanbietenden dabei zur Schwachstelle werden.

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Methodik der externen Aufklärung mit OSINT
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Open Source Intelligence (OSINT) bezeichnet die strukturierte Erhebung, Korrelation und Auswertung von Informationen aus öffentlich zugänglichen oder frei erreichbaren Quellen. Für Unternehmen bedeutet dies, dass Datenexposition, Angriffsflächen und Bedrohungsaktivitäten aus Sicht eines potenziellen Angreifenden sichtbar gemacht werden. Ergänzend dazu liefern Ermittlungen im Dark Net Hinweise auf aktiv gehandelte Daten, kompromittierte Zugänge oder gezielte Kampagnen. 

Die technische OSINT-Analyse lässt sich in mehrere funktionale Kategorien unterteilen: 

  • Infrastruktur-Analyse und Datenbroker: Dienste wie Shodan, Censys, Criminal IP oder BinaryEdge erfassen den Zustand internetfähiger Geräte weltweit. Sie decken offenliegende Datenbanken (z. B. Amazon S3 Buckets oder Azure Blobs) auf, die oft sensible Firmendaten enthalten. 
  • Identitäts-, Leak- und Dark-Net-Prüfung: Plattformen wie HaveIBeenPwned, Dehashed oder Leak-Lookup ermöglichen den Abgleich von E-Mail-Adressen mit historischen Datenlecks. Ergänzend dazu führen spezialisierte Suchen über Tor-Gateways (z. B. Ahmia, Onionsearchengine oder IntelligenceX) in Foren und Marktplätzen des Dark Net zu Erkenntnissen über gehandelte Zugangsdaten oder gezielte Kampagnen gegen Mitarbeiter. 
  • Reputations- und Metadaten-Extraktion: Werkzeuge wie Spiderfoot oder Maltego verknüpfen Informationen aus sozialen Netzwerken, PGP-Keyservern und Domain-Daten. Die Analyse von Metadaten in Dokumenten (etwa via Archive.org) gibt Aufschluss über interne Softwareversionen oder Namenskonventionen. 
  • Bedrohungsintelligenz (Threat Intel): Über APIs wie AbuseIPDB, AlienVault OTX oder ThreatFox lassen sich Hinweise auf bösartige Aktivitäten von Infrastrukturen gewinnen, die das eigene Unternehmen für Betrugsversuche imitieren.
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Daten in fremder Hoheit - Ein Praxisbeispiel für OSINT
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Das Risiko beginnt dort, wo Informationen in Umgebungen hinterlassen werden, die nicht mehr durch interne Sicherheitsrichtlinien kontrolliert werden. Projektunterlagen, Zugriffsdaten, Verträge oder strategische Dokumente werden auf Systemen abgelegt, die von Externen betrieben und administriert werden. Werden dort falsche Berechtigungen vergeben oder Basisfunktionen wie Directory Listing oder Indexierung nicht korrekt konfiguriert, sind Daten oftmals unbemerkt öffentlich zugänglich

Die Spannbreite möglicher Funde ist groß: 

  • falsch klassifizierte Präsentationen mit vertraulichen Inhalten, 
  • Prototyp-Beschreibungen in frei zugänglichen Objektspeichern, 
  • Admin-Backups von Webanwendungen, die versehentlich indexiert wurden, 
  • Excel-Listen mit sensiblen Kennzahlen oder Zugangsdaten. 

Ein praxisnahes Beispiel im Kontext Social Engineering verdeutlicht die Tragweite: Ein Vertriebsmitarbeitender war zahlendes Mitglied in einem privaten Vertriebsclub. Dieser Club nutzte zur Datenablage einen unzureichend administrierten Webserver, bei dem das Directory Listing aktiviert war. In einer offen zugänglichen Excel-Liste fanden sich hunderte Datensätze – inklusive individueller Beitragshöhen, Vermarktungspotenziale für Up-Selling und Notizen, welche Kontakte als Zugang zu Firmenprojekten über Insider-Informationen genutzt werden könnten. 

Besonders kritisch: Die Liste enthielt Passwörter zu Nutzerkonten im Klartext. Für Angreifende ist eine solche Quelle ideal, um mittels Credential-Stuffing weitere Konten zu übernehmen oder gezielte Social-Engineering-Szenarien zu entwickeln. Für die betroffenen Unternehmen ist dies nicht nur ein massiver Vertrauensschaden, sondern potenziell auch ein Compliance-Problem. 

Mit klassischen internen Security-Maßnahmen lassen sich solche Lecks kaum erkennen, weil sie außerhalb des eigenen Perimeters entstehen. Genau hier bringt OSINT Transparenz: Durch die Kombination aus Suchmaschinen, Sicherheits-Scannern, Datenleck-Datenbanken und Dark-Net-Recherche entsteht ein Lagebild, das weit über die eigene Infrastruktur hinausgeht.

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Strategische Absicherung über die eigenen Grenzen hinaus
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Die Informationssicherheit eines Unternehmens endet nicht an der Grenze des eigenen Netzwerks. Ein modernes Sicherheitskonzept muss die externe Informationslage proaktiv einbeziehen, statt sich ausschließlich auf die Härtung der eigenen Systeme zu beschränken. 

Wir unterstützen Unternehmen dabei, diese Intransparenz zu beseitigen. Unser Angebot reicht von der einmaligen, tiefgreifenden Ermittlung der aktuellen Exposition bis hin zum Anforderungsmanagement für einen kontinuierlichen Monitoring-Service. Wir schauen uns gezielt an, was nicht in Ihrer eigenen Datenwelt stattfindet, sondern durch die unsichere Infrastruktur Dritter gefährdet wird. So können Sie präventiv agieren, bevor externe Datenabflüsse zu internen Sicherheitsvorfällen führen.

FAQs
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Was ist OSINT (Open Source Intelligence)?

Open Source Intelligence (OSINT) bezeichnet die strukturierte Erhebung, Korrelation und Auswertung von Informationen aus öffentlich zugänglichen oder frei erreichbaren Quellen. Dazu zählen etwa Suchmaschinen, Sicherheits-Scanner, Datenleck-Datenbanken, soziale Netzwerke, Archive und Dark-Net-Quellen. Aus Sicht potenzieller Angreifender wird so sichtbar, welche Daten, Systeme und Identitäten eines Unternehmens von außen erkennbar sind. Unternehmen erhalten dadurch ein Lagebild, das weit über die eigene, intern kontrollierte Infrastruktur hinausgeht.

Wie kann ich mit OSINT ungesicherte Infrastrukturen von Drittanbietern auf Lecks prüfen?

Mit OSINT lassen sich externe Infrastrukturen von Drittanbietenden gezielt auf Fehlkonfigurationen und Datenlecks untersuchen. Dienste wie Shodan, Censys oder BinaryEdge zeigen offen erreichbare Systeme und Datenbanken, etwa ungeschützte Storage-Buckets. Ergänzend prüfen Leak-Datenbanken und Dark-Net-Suchen, ob Zugangsdaten oder sensible Informationen zu externen Plattformen gehandelt werden. Durch diese Kombination wird transparent, welche Dokumente, Konten oder Systeme außerhalb der eigenen Hoheit unbemerkt öffentlich zugänglich sind und dringend abgesichert werden müssen.

Wie unterscheidet sich OSINT von klassischem Schwachstellenmanagement in der Informationssicherheit?

Klassisches Schwachstellenmanagement konzentriert sich auf die eigene Infrastruktur: bekannte Sicherheitslücken, Patches und Konfigurationen in internen Systemen. OSINT erweitert diese Perspektive nach außen. Statt nur interne Systeme zu scannen, analysiert OSINT, welche Informationen, Dokumente und Zugangsdaten über ein Unternehmen im Internet und im Dark Net sichtbar sind – insbesondere bei Drittanbietenden. So werden blinde Flecken wie falsch konfigurierte Partner-Systeme, frei zugängliche Projektdaten oder geleakte Accounts erkannt, die klassische interne Sicherheitsmaßnahmen meist nicht erfassen.

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